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Afghanistan: Windturbinen für nachhaltige Entwicklung

Für die Länder des Südens besteht oft ein starker Druck, auf Kosten der Umwelt nach technologischem Fortschritt zu streben. In Afghanistan sollen lokal hergestellte Windturbinen diesem Trend entgegenwirken ? und neben ökologischem Strom auch neue Arbeitsplätze schaffen.

Elektrizität ist keine Selbstverständlichkeit in Afghanistan. Vor allem in den ländlichen Gebieten leben Tausende von Menschen ohne Strom, was massive Auswirkungen auf alle Lebensbereiche hat. Dies spürt man besonders in den Wintermonaten: Um den Wohnraum vor Kälte zu schützen, werden alle Fensteröffnungen und Türen verschlossen, sodass natürliches Licht kaum mehr vorhanden ist. Soziale Aktivitäten sind unter diesen Umständen extrem eingeschränkt, und ein regulärer Schulbetrieb ist praktisch unmöglich.

Offen für erneuerbare Energien
Der Strom in den Städten stammt meist aus dem Ausland oder wird mit Dieselgeneratoren produziert. Die afghanische Regierung steht erneuerbaren Energien sehr offen gegenüber, doch existieren kaum Förderungspläne oder konkrete Projekte. Für Hilfsorganisationen ist die Strom- und Energiegewinnung daher ein hochaktuelles Thema ? gerade auch deshalb, weil man eine Entwicklung auf Kosten der Umwelt verhindern will. Die meisten Organisationen setzen für die Stromgewinnung aber auf importierte Technologie, anstatt lokale Initiativen zu fördern.

Das von TearFund unterstütze Pilotprojekt verfolgt hingegen den Ansatz einer Hilfe zur Selbsthilfe: Gesucht war eine Anlage zur Stromgewinnung, die nicht nur widerstandsfähig, effizient und den regionalen Gegebenheiten angepasst ist, sondern auch vollständig von afghanischen Fachleuten hergestellt, installiert und instand gehalten werden kann.

Turbinen lokal herstellen
Die Lösung bot sich in einer Windturbine, die sehr einfach zu montieren ist und deren Einzelteile vollständig in lokalen Werkstätten hergestellt werden können. Für die afghanischen Verhältnisse ist diese Methode ideal: In der Region Herat beispielsweise gibt es keine Flüsse, die für Wasserkraftwerke geeignet sind, dafür aber mehr als 120 Windtage im Jahr.

Bei Windgeschwindigkeiten von 25 Knoten (ca. 46 Kilometer pro Stunde) produziert die Turbine mit einem Rotordurchmesser von 2,5 Metern bereits 200 Watt. Eine Batterie am Fuss des 15 Meter hohen Masts speichert die Energie. Läuft die Turbine kontinuierlich, so kann sie in 24 Stunden genug Strom produzieren, um zwanzig Glühbirnen einen Abend lang zu speisen.

30 Windanlagen geplant
Verantwortlich für die Umsetzung des Stromprojekts ist die "International Assistance Mission" (IAM), eine internationale Entwicklungsorganisation, die seit 40 Jahren in Afghanistan tätig ist und sich mit Solarwasserheizern und Kleinwasserkraftwerken einen Namen gemacht hat. Das Projekt sieht vor, in drei Jahren insgesamt 30 Windanlagen an verschiedenen Standorten aufzubauen. Das Material dazu kommt aus drei Produktionswerkstätten, die im Rahmen des Projekts in der Gegend von Kabul, Herat und Kandahar entstehen.

Zusätzlich bilden Fachleute neun afghanische Ingenieure dazu aus, selber Windkraftanlagen zu bauen und instand zu halten. Es ist auch geplant, einen zweiten, grösseren Windturbinentyp zu entwickeln, der bis zu viermal mehr Leistung erzielt als die 200-Watt-Turbine. Längerfristig zielt das Projekt darauf ab, in Afghanistan eine Industrie für Kleinwindkraftwerke aufzubauen, die der ganzen Region zugute kommt und eine nachhaltige, umweltschonende Form von Energiegewinnung Wirklichkeit werden lässt.
windturbine

Spenden
TearFund Schweiz, Zürich, PC 80-43143-0, Vermerk "Windturbinen Afghanistan"